kritische Reflexion zur Gronau'schen Definition Wissensmanagement
2026-08-31: kritische Reflexion
- Kern meiner Irritation
- Die Gronau'sche Definition sagt nichts über Verstehen, Einsicht oder die Formung individuellen Denkens, was beim persönlichen Wissensmanagement im Zentrum steht.
- ZWECK-Rahmen
- Gronau definiert Wissensmanagement als Mittel zum Zweck: Wissen wird "eingesetzt und entwickelt", um "Unternehmensziele bestmöglich zu erreichen".
- Das ist eine durch und durch instrumentelle und zutiefst auf kapitalistische Verwertungsmuster referenzierende Logik: Wissen als Ressource, die auf ein externes Ziel hin optimiert wird.
- Bei einem Unternehmen ist das plausibel und legitim: Es gibt einen Zweck außerhalb des Wissens selbst (Umsatz, Marktposition, was auch immer).
- Es passt aber keineswegs für die Perspektive des persönlichen Wissensmanagements - ergo muss es abgrenzende Definitionen geben
- Kontext "Management" versus "Verzetteln"
- Das Wort "Managementpraktiken" in der Gronau'schen Definition transportiert eine Steuerungslogik: Planen, kontrollieren, auf Effizienz trimmen.
- Ich selbst beziehe mich aber auf Ahrens (und der sich auf Luhmann) und verstehe "Verzetteln" als "permanente Aufgabe" (also einen Prozess), bei der Notizen im
+-Ordner erst "abkühlen", bevor sie eingeordnet werden. - Das ist eine meinem persönlichen Wissensmanagement-System (PKM-System) innewohnende emergente, gärtnerische Logik - passend zum "Digital Garden" - und eben kein Management im betriebswirtschaftlichen Sinn.
- Daher ergibt sich die Frage: Ist "Management" für irgendein persönliches Wissensmanagement-System überhaupt ein passender Begriff, oder verzerrt oder verstellt es von Grund auf die Art, wir wir über persönliches Wissensmanagement denken müssen.
- Die im persönlichen Wissensmanagement grundsätzlich fernbleibende Organisation
- Die Verortung der Gronau'schen Definition "in Organisationen" setzt mehrere Personen, Koordination, Wissenstransfer zwischen Akteuren voraus.
- Beim persönlichen Wissensmanagement gibt es objektiv nur einen Beteiligten: Das Ich als Denker.
- Das klingt trivial, ist es aber nicht:
- Organisationales Wissensmanagement hat ein Verteilungsproblem (wie kommt Wissen von A zu B) und ein Erhaltungsproblem (wie wird Wissen in der Organisation bewahrt),
- persönliches Wissensmanagement hat eher ein Reifungsproblem (wie wird aus einer rohen Notiz eine durchdachte Position).
- ?? Die Bewahrung geschieht (hoffentlich)unabdingbar durch das System selbst. ?? #actions/follow-up
- Das sind unterschiedliche Kernfragen, auch wenn beide "Wissensmanagement" heißen.
- Das sind unterschiedliche Kernfragen, auch wenn immer und überall von "Wissensmanagement" die Rede ist.