Was machen wir, wenn ...

2026-05-24

Das Spiel »Was machen wir, wenn ...«?

Dieses Spiel spielen unsere Kindern gern in ihren jungen Jahren. Es soll um einen Ausflug am kommenden Wochenende gehen, schon kann das Spiel beginnen! Was machen wir, wenn es auf dem Ausflug regnet? Was machen wir, wenn auf dem Ausflug das Auto streikt? Was machen wir, wenn der Zoo im Chaos versinkt, weil die Tiere ausgebrochen sind?
Es driftet schnell ins absurde, und das ist es, was uns mit unseren Kindern Spaß macht, je absurder, desto lustiger wird es. Ein schönes Spiel.

Im Teenageralter kommt dieses Spiel kaum noch vor. Und wenn doch, dann in anderem Tonfall. Meist eher so erkennbar genervt und provokant, dass das Spiel den Eltern keinen Spaß mehr bereitet, denn es wir klar, der Teenager hat auf den Ausflug keinen Bock. Ein Scheißspiel.

Brauchbare Inkompetenz

Eine Variante des Spiels wird auch in unsere aller Arbeitswelt gespielt. Mark Poppenborg von intrinsify nennt das "Brauchbare Inkompetenz".

Strategie: Die Führungskräfte verkünden, die Mitarbeiter lauschen und dann kommen Nachfragen, ob man das Ganze noch mal erklären könne. Es wird nochmals erklärt und mit vollster Überzeugung vorgetragen, doch das Spiel ebbt nicht ab. Mitarbeiter stellen immer wieder - aus Sicht der Führungskräfte komische - Fragen und die Führungskräfte zeigen sich zunehmend genervt.

Man könnte - doch das wäre vorschnell - auf den Gedanken kommen, die Mitarbeiter seien im Teenager-Modus: einfach kein Bock. Aber vergessen wir bitte nicht, die Mitarbeiter sind erwachsen!

Poppenburg schreibt: „»Wollen die nicht oder können die nicht?« Beides wäre ein Irrtum. Sie können. Und sie wollen. Sie dürfen nur nicht sagen, was sie sehen. Die Strategie sagt: Innovation. Die Strukturen sagen: Stundenerfassung, Freigaberitual, Auslastungsquote über 85 Prozent. Eine Strategie zu entwickeln ist eine Sache, aber ohne das passende Organisationsdesign und die entsprechenden Management-Instrumente zerschellt jede neue Richtungsentscheidung an der Realität der Organisation."[1]

Also kein Teenager-Gehabe, sondern höfliche Mitarbeiter. Und nun?

Wir erinnern uns, das Spiel »Was machen wir, wenn ...« benötigt kaum Ressourcen: Bereitschaft zu Spielen, die Spieler und Zeit.
Bezogen auf innovationsgetriebene Strategieveränderungen bedeutet das eigentlich nur, sich die Zeit zu nehmen, die Veränderung mittels »Was machen wir, wenn ...« aus der Managementperspektive heraus zuende zu denken und/oder sich eben auf dieses Spiel gemeinsam mit den Mitarbeitern einzulassen, um »das passende Organisationsdesign und die entsprechenden Management-Instrumente« von Anfang an - im Zweifel gemeinsam mit der Belegschaft - mitzuentwickeln. Hilft ja nix.

Und das ist schon die ganze Erkenntnis: Hilft ja nix, muss man eh Hand anlegen, sonst passt's halt nicht zusammen. Wer das Denken zu früh einstellt, hat seinen Job nicht gemacht - jedenfalls nicht bis zum Ende, dem Ziel.

Mein Fazit

Ich nehme mir vor, das Spiel »Was machen wir, wenn ...« bewusster und als Arbeitsmittel im Team zu spielen. Nicht um Reisen nach Absurdistan zu machen, sondern um Resilienz und Nachhaltigkeit von Richtungsentscheidungen mit zusätzlichen Maßnahmen und Entscheidungen zu stützen und zu flankieren.
Ich will dafür Zeit einplanen, denn es hilft uns - in der jeweiligen zufälligen Team-Zusammensetzung - die Dinge zuende zu denken.


  1. Poppenburg, Mark (2026), Newsletter »Brauchbare Inkompetenz«, Mein Posteingang vom 29.04.2026, auch auf LinkedIn ↩︎